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Franz Hitze - ein katholischer Sozialreformer aus Olpe

"Beginnen wir doch mal praktisch"

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Coronazeit ist Draußen- und damit Wanderzeit. Eigentlich bin ich auf der Suche nach Wanderwegen im Sauerland, Wegen, die nicht nur gut wanderbar sind, sondern auch noch etwas historisch angehaucht sind. Ich gebe ein „Wanderweg, Sauerland, Geschichte, Kulturorte“ – und bekomme eine ganze lange Reihe an möglichen langen und kurzen Wegen ausgespuckt. Ich scrolle mich durch bis ich über den „Franz-Hitze-Pfad“ stolpere. Den Namen habe ich doch schon mal gehört. Aber wer war das? Wann hat er gelebt? Wo hat er gelebt? Die Neugier ist geweckt und statt mir meinen Rucksack zu packen, begebe ich mich erst einmal auf den Pfad der Erkenntnis.

„Ich möchte bitten: Beginnen wir einmal praktisch"

"Wir werden dann Erfahrungen sammeln. Wir werden dann Erfahrungen sammeln; mit Erörterungen und Diskussionen kommen wir nicht weiter. Wir müssen anfangen: dann werden wir sehen, wie wir unsere Fabrikgesetzgebung weiter ausbauen. Also ich bitte, stimmen Sie unseren Anträgen bei; wir thun ein gutes Werk für unsere Arbeiter. Es liegt entschieden auf dem Weg der Sozialreform, wie sie in der Kaiserlichen Botschaft proklamiert worden ist“.

Erste Eckdaten

Schnell finden sich die Lebensdaten, geboren am 16. März 1851 in Hanemicke bei Olpe, gestorben 20. Juli 1921 in Bad Nauheim. Und dann tauchen die ersten Erinnerungen in meinem Kopf auf: Bauernsohn, katholischer Priester, Sozialethiker, Zentrumspolitiker und Abgeordneter im Reichstag. Hitze ist einer der Väter der  Reichsversicherungsordnung, der katholischen Arbeitnehmerbewegung, des Volksvereins für das katholische Deutschland und des deutschen Caritasverbandes. Er wirkte an einer Sozialgesetzgebung mit, die sich bis heute weiterentwickelt und Bestand in unserem Sozialsystem hat.
Er ist eine bedeutende Persönlichkeit des politischen und sozialen Katholizismus im Kaiserreich. Als Kind seiner Zeit geprägt und betroffen durch den Kulturkampf, aber sich immer einsetzend für die katholischen Belange. Ein breites Spektrum, in dem er sich engagierte. Aber doch ist seine Person bei den meisten Menschen kaum noch bekannt.

Sichtbare Erinnerungen

In seiner Heimat blieb die Erinnerung an ihm aber immer bestehen. 1995 gründete sich der Franz Hitze Verein. Auf dessen Anregung entstand der Franz-Hitze-Pilger- und Erlebnispfad mit seinen 16 Stationen. Auf den Spuren von Franz Hitze verbindet der Weg verschiedene Orte um Olpe, die Pfarrkirchen St. Martinus, Maria-Hilf und St. Cyriakus, die Kapellen der Vierzehn Nothelfer, der schmerzhaften Mutter und St. Valentin, verschiedene Bildstöcke und Wegekreuze, das Geburtshaus und den Friedhof auf dem er begraben ist.

Vordenker, Gestalter und Priester

Hitze gilt als Vordenker und Gestalter im sozialen Katholizismus. Aber was bedeutet das? Die Zeit ab der Mitte des 19. Jahrhundert ist geprägt durch Umwälzungen verschiedenster Art. Schlagwortartig sollen nur die Begriffe Industrialisierung mit all seinen Folgen, katastrophale soziale Verhältnisse, (Binnen-)Migration, Bildung des Deutschen Reiches, Kulturkampf, Sozialistengesetze, Karl Marx und sein „Kapital“,  genannt werden. Für die Menschen brachte diese Zeit Umwälzungen in allen Bereichen mit sich. Viele verließen ihre angestammte Heimat, mussten in neuer Umgebung ihr soziales Umfeld neu definieren, sich allgemein neu orientieren. Aus dem Bauernkind wurde ein Industriearbeiter. Ein Katholik fand sich in einem protestantischen oder auch marxistisch orientieren Umfeld wieder. Orientierung boten die katholischen Gemeinden, aber auch die gegründeten Vereine. Diese boten nicht nur Geselligkeit, sondern auch Unterstützung in einem anderen als der hergebrachten Lebensumgebung. Gleichzeitig sollten sie auch einen Gegenpol bilden zu sozialistischen Organisationen.
Hitze lieferte theoretischen Hintergrund, setzte sich aber auch praktisch und persönlich für die Belange seiner Mitmenschen ein. Aus einer begüterten Bauernfamilie stammend, lernte er das soziale Elend der Arbeiter auf seinen beruflichen Stationen als Geistlicher früh kennen. Als Politiker stritt er für eine Sozialgesetzgebung. In der Verband- und Vereinsarbeit engagierte er sich für seine Mitmenschen. Daneben und hauptsächlich war er aber immer noch Priester. 

Text: Marita Völmicke
Fotos: Franz-Hitze-Verein e. V., Gerhard Burghaus

Quellen + Links

Gabriel, Karl / Große Kracht, Hermann-Josef (Hgg). Franz Hitze (1851 -1921). Sozialpolitik und Sozialreform. „Beginnen wir einmal praktisch …“. Paderborn 2006 (daraus Zitat S. 207).
Pfeiffer, Wolfram. Der Sozialreformer Franz Hitze (1851 – 1921). Eine Skizze seines Engagements in Politik und Kirche, Wissenschaft und Bildung. Münster 1998
Zu Franz Hitze: https://www.franz-hitze-haus.de/artikel/der-namensgeber-franz-hitze/

Direkt zum Franz-Hitze-Pfad: https://www.franz-hitze-pfad.de

Zu den einzelnen Erlebnisorten: Oder auch: https://www.orte-verbinden.de/Wege/Franz-Hitze-Pilger-und-Erlebnispfad/