Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio

Kurzbiografie zum Nachlesen

Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio stammte aus Waldbröl im Bergischen Land, wo sein Vater als Rechtsanwalt arbeitete. Die Familie zog aber bald nach Opladen und dann ins benachbarte Schlebusch. Der neugierige und hoch intelligente junge Anton Wilhelm forschte, dichtete, musizierte, sammelte Sagen und Mythen aus Europa und dem Orient, außerdem Volkslieder, die er z.T. bearbeitete.

Neben seinem Jurastudium in Heidelberg beschäftigte er sich mit Archäologie und der Entwicklung der deutschen Sprache.





Grabstein Zuccalmaglio Foto Reinhard Kirste.jpg

Finanziell hatte er zwischendurch immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Überhaupt führte er - meist unter seinen Schriftstellernamen Wilhelm von Waldbrühl - ein unruhiges Leben. So war es ein Glücksfall für ihn, als Erzieher des einzigen Sohnes des Fürsten Gortschakow in Warschau arbeiten zu können. Während der dort verbrachten acht Jahre vertiefte er - auch durch Reisen mit seinem Schüler - sein Wissen über Russland. Er studierte intensiv die slavische und persische Sprache. Hier lernte er auch die orientalische Erzähltradition kennen, die sich auf Firdausi (940-1020) zurückführen lässt. 1840 erfolgte die Rückkehr nach Deutschland.Er ging zunächst nach Berlin, wo er in Gelehrten- und Künstlerkreisen verkehrte und unter anderem mit den Geschwistern Mendelssohn-Bartholdy Freundschaft schloß. Hierauf ließ er sich in Schlebusch nieder, von wo aus er auf Wanderschaften botanische und archäologische Merkwürdigkeiten erforschte und als Förderer der Musikkultur (Hebung der rheinischen Musikfeste und Männergesangvereine) auftrat.

Anton Wilhelm hielt sich in den Jahren von 1840-47 hauptsächlich in Köln und Düsseldorf auf. In Köln schloß er sich den Dombauleuten an und war befreundet mit dem Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner. In dieser Zeit setzte er sich für Angelegenheiten der deutschen Kulturpflege ein, u.a. für den Kölner Dombau, die Mozart-Stiftung Frankfurt, eine bessere Ausbildung von Kirchenmusikern und die Gründung einer Organistenschule. In Düsseldorf unterhielt er nahen Kontakt u.a. zu den Malern Achenbach, Schadow und Lessing. In dieser Zeit begegnete er auch ebenso vielen Musikern wie z.B. Felix Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann. Aus Geldmangel wurde er von 1847 bis 1854 Hauslehrer in Frankfurt a. M. in der Familie eines wohlhabenden Papierfabrikanten. Ihren Sommersitz hatte die Familie in Freiburg i. Breisgau. Viele Reisen führten den Erzieher in dieser Zeit in die Schweiz, nach Italien, nach Frankreich und in andere Gebiete Deutschlands. In Frankfurt wurde er mit Dr. Hoffmann, dem Verfasser des „Struwwelpeters“, bekannt. Zwei „berufsfreie“ Jahre schlossen sich an, in denen Anton Wilhelm sich bei Freunden und Verwandten aufhielt.

Seit 1855/1856 war er Erzieher in Elberfeld. Mit einem befreundeten Naturkundelehrer erwanderte er die engere und weitere Umgebung, machte Naturbeobachtungen und geologische Untersuchungen. Ab 1858 war er Hauslehrer in Hagen-Wehringhausen und von 1860 bis 1866 in Nachrodt bei Iserlohn. Anschließend zog er zu seinem Bruder Vincenz nach Grevenbroich, dort ganz den Wissenschaften und dem Umgange mit Freunden lebend.





Zeichnung Zuccalmaglio.jpg

Auf Wanderungen in der sauerländischen Umgebung und an Ennepe, Ruhr, Volme, Lippe sammelte er nicht nur Geschichten, Sagen und Volksweisen, sondern dichtete auch viele eigene Volkslieder. (Schulz-Fielbrandt 1987) 22 seiner Lieder wurden von Brahms vertont. Andere volkstümliche Lieder vertonten Schumann, Mendelssohn-Bartholdy, Carl Maria von Weber und Carl Loewe. Er schrieb über 2000 Gedichte, 8 Trauerspiele, 20 Lustspiele, 15 Singspiele. (Bild links: Zuccalmaglio-Zeichnung von Pater und Nonne in Letmathe)

Er starb bei einem Besuch in Nachrodt am 23. März 1869. Sein Grabstein ist an der an der Burg Altena zu finden.

Literatur:





Zuccalmaglio_Buchcover MK.jpg

Auszug aus: Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio. Ein "Lieder"-liches Genie.  Veröffentlichungen des Heimatbundes Märkischer Kreis, Bd. 11, Balve 1991 und https://religiositaet.blogspot.com/2019/03/anton-wilhelm-florentin-von.html

und Lexikon westfälischer Autoreninnen und Autoren: https://www.lexikon-westfaelischer-autorinnen-und-autoren.de/autoren/zuccalmaglio-anton-wilhelm-florentin-von/#biographie

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